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KRAFTKUR FÜR DEN FLIEGENDEN AUTOMOTOR

Clever & smart


Der smart-Motor ist erwachsen geworden. 60 kW
(82 PS) aus dem vierrädrigen Roadster sollen auch
einem UL ordentlich Dampf machen, verspricht
die Firma Ecofly selbstbewusst. Ob's stimmt? Wir
haben es in einer FK 9 Mark IV ausprobiert.
HIGH-TECH IM UL: Der M160/1 holt aus 698 cm3 Hubraum dank

I st der smart-Motor wirklich


so clever, wie es sein Name
vermuten lässt? Glaubt man
liches Stück Motorentechnik
ans Tageslicht. Abgasturbolader,
Commonrail-Einspritzanlage und
Abgasturbolader 60 kW (82 PS).

Otto Funk, dem Chef der Firma ein geregelter Drei-Wege-Kata- bis 3000 m Höhe zur Verfügung.zündung ausgestattet, ein für den
Ecofly aus Speyer, hat der lysator unterscheiden den Drei- Vergaservereisung ist durch Flugbetrieb unabdingbares
Hubraumzwerg das Zeug dazu, zylinder-Automobilmotor von die Einspritzanlage kein ThemaFeature. Auch sonst belässt Ecofly
in Zukunft auf dem Markt der den Mitbewerbern. B & F ist bis- mehr, und der Treibstoffver- den Motor weitgehend unverändert
UL-Triebwer-ke ein gehöriges lang der einzige UL-Hersteller, auf dem Automobilstandard.
brauch soll sinken. Der Kataly-
Wörtchen mitzureden. Bereits der fertige Flugzeuge mit smart- sator beruhigt die Fliegerseele Ungewöhnlich gelöst ist der
vor fünf Jahren hat Funk einen Motor anbietet. Entgegen einigen Antrieb des fixen Dreiblatt-Warp-
und entlastet die Umwelt. Kurze
der ersten Vorserienmotoren in Missverständnissen sind B & F Warmlaufzeiten und thermische Drive-Propellers: Dieser dreht im
eine ultraleichte FK 9 Mark II und Ecofly jedoch getrennte Un- Stabilität haben die Daimler- Stand bei abgestelltem Triebwerk
eingebaut. War dieses Exemplar ternehmen. frei. Erst ab 1500 U/min greift die
Chrysler-Entwickler dadurch er-
mit 40 kW (55 PS) noch ein Die Vorteile der Daimler- reicht, dass sie den Ölkühler Fliehkraftkupplung, um bei 1800
wenig schwach auf der Brust, Chrysler-Technologie liegen auf an den Kühlwasserkreislauf ge-U/min vollständig einzukuppeln.
hat das Triebwerk seither eine der Hand: Dank Turbolader koppelt haben. Bereits ab WerkVorteil des Ganzen: „Beim
Leistungskur durchlebt: steht die volle Leistung laut Funk Anlassen
ist der Motor mit einer Doppel- ersparen wir den
DaimlerChrysler steigerte die Flugzeugzellen die Belastungen
Leistung schrittweise von 44 kW durch Schütteln des Propellers."
(60 PS) auf 51 kW (70 PS). Die Im Cockpit informiert das
neuste Generation aus dem ÜBERSICHTLICH: „smart-MIP" über alle relevanten
smart Roadster leistet nach der Das Panel mit dem Motordaten. Auf Tastendruck
Vergrößerung des Hubraums um smart-MIP wirkt sieht der Pilot unter anderem
100 auf nunmehr 698 cm3 statt- sehr aufgeräumt. Drehzahl, Verbrauch, Tankinhalt,
liche 60 kW (82 PS). Lade- und Öldruck sowie Wasser-
Ein Blick unter die Cowling der und Öltemperatur. Nebenbei
D-MULF - die erste FK 9 Mark zeichnet das Gerät die Flug- und
IV, die der Flugzeughersteller B Blockzeiten auf.
& F mit dem neuen Triebwerk Schnell abgehandelt ist das
ausgeliefert hat - fördert ein für Kapitel der Wartungs- und Kon-
UL-Verhältnisse erstaun- trollarbeiten. Unverzichtbar ist der
OTTO FUNK, Chef der
tägliche Kontrollblick unter die
Firma Ecofly, ist der
Cowling samt Ölkontrolle vor
jedem Flug. Wartungsarbeiten
Vater des fliegenden
fallen dagegen so gut wie keine an:
smart-Motors.
Alle 100 Stunden steht ein Öl- und
Filterwechsel an, alle 300 Stunden
sind neue Zündkerzen fällig. Die
TBO gibt Ecofly nach derzeitigem
Erfahrungsstand mit 1500 Stunden
an. Angepeilt ist ein Wert um die
2000 Stunden. Statt einer
Überholung soll es nach dieser
Zeit einen neuen Motor für etwa
3500 Euro geben.
Bisher hatten Kritiker dem
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smart-Motor vor allem einen dedruck beschleunigt die FK 9 sich die Leistungskurven an, steht zeug entschieden. Erste Probe-
dicken Minuspunkt angekreidet: Mark IV zügig auf Rotationsge- der Ml60/1 verglichen mit dem schlepps mit einer einsitzigen
seine Masse. Zwischenzeitlich schwindigkeit - subjektiv flotter Rotax 912 gut im Futter. Fast im ASK-21 haben mit starrem Pro-
reagiert Otto Funk auf derlei Fra- als mit dem 60 kW (80 PS) star- gesamten Drehzahlbereich liegen peller Steigwerte von rund 2 m/s
gen gelassen. „Unser Motor ken Rotax 912. Zwischen 100 etwas mehr Leistung und Dreh- ergeben. Der Verbrauch im
wiegt 86 kg ,Firewall forward'. und 120 km/h am Fahrtmesser moment an als beim Mitbewerber Schlepp liegt bei etwa 20 l/h.
Drei Kilogramm werden wir und etwa 4800 U/min im Dis- aus Österreich. Der nominell stär- Otto Funk sieht derweil für
noch durch eine kleinere Batterie play des smart-MIP steigt das kere 912 S hat dagegen in beiden seinen Motor noch weitere Ein-
und eine kleinere Lichtmaschine voll beladene UL mit 900 bis Disziplinen in fast allen Drehzahl - satzmöglichkeiten. Demnächst
sparen. Unser Ziel ist das Rotax- 1000ft/min(etwa5m/s). bereichen einen Vorsprung. Aller- plant er den Einbau des Ml60/1
Gewicht." „Firewall forward" be- dings hält der smart-Motor vor al- in das Experimental Europa und
inhaltet alle Elemente ab dem Mehr Leistung, weniger lem beim Drehmoment dank Tur- in eine Katana. Eine VLA-Zerti-
Brandschott inklusive Kühlflüs- Verbrauch als Rotax 912 bolader gut mit. In großen Höhen fizierung kann er sich dabei
sigkeit, Öl und Batterie, aller- dürften sich die Kurven deut- durchaus vorstellen. Auch ist der
dings ohne Propeller und Cow- Mit dem Ml60/1 kann man lich zu Gunsten des Ecofly-Trieb- nächste Leistungssprung schon
ling. den Reise- zum Sparflug werden werks verschieben. Der Ver- in Sicht: Bald soll eine 74 kW
Der Gewichtsvergleich mit ei- lassen - vorausgesetzt, die Besat- brauch des Rotax 912 liegt im (100 PS) starke Variante des
nem Rotax 912 fällt angesichts zung hat es nicht eilig. Bei 120 Schnitt um 1 l/h höher, die Flug- Triebwerks abheben.
der „Firewall-forward"-Philoso- km/h auf dem Fahrtmesser brum- leistungen der FK 9 Mark IV fal- Fazit: Ecofly bietet einen zeit-
phie schwer. Der österreichische melt der Motor mit 3800 U/min len mit ihm geringfügig schwä- gemäßen Motor an, der mögliche
Hersteller gibt die Masse des Ro- vor sich hin und verlangt laut An- cher aus. Leistungs- und Gewichtsproble-
tax 912 mit 55 kg an - allerdings zeige nur 6,5 l/h Treibstoff. Bei Auch der auf der Wasserkup- me der Vergangenheit weitge-
ohne Anbauteile und ohne Be- 170 km/h meldet das smart-MIP pe beheimatete Verein Rhönflug hend überwunden hat. 10200
triebsstoffe. Je nach Ausstattung 4300 U/min, und der Verbrauch Fulda hofft, von den Vorteilen Euro stellt Ecofly für den flugfer-
kann es zu erheblichen Differen- steigt auf 11 l/h. Wer schneller des Turboladers zu profitieren. tigen Motor „Firewall forward"
zen kommen. Als Anhaltspunkt unterwegs ist, zahlt Expresszu- Immerhin hat es die Dichtehöhe in Rechnung. Zum Vergleich:
kann man inklusive Motorträger schlag: 190 km/h bei 4800 U/min in knapp 1000 m Höhe im Som- 11 480 Euro kostet ein nackter
und Abgasanlage etwa 65 kg lässt sich der Dreizylinder mit 17 mer in sich. Aus diesem Grund Rotax 912. Dazu kommen weite-
Trockenmasse veranschlagen. l/h bezahlen. Im Steigflug kratzt haben sich die Mitglieder für re Kosten für Anbauteile und
Laut Flugzeughersteller B & F die Verbrauchsanzeige schon mal einen selbst gebauten Pelikan Zubehör.
soll eine FK 9 Mark IV mit an der 20-1-Marke. Schaut man mit smart-Motor als Schleppflug- Patrick Holland-Moritz
DaimlerChrysler-Motor zukünf-
tig etwa sechs Kilogramm mehr
wiegen als ihr Rotax-Pendant.
Genug der Technik, bei einem
Probeflug soll die D-MULF zei-
gen, was in ihr steckt. Fast so ein-
fach wie im Auto gestaltet sich
das Anlassen. Hauptschalter ein,
Zündung ein, Anlasser drücken.
Die Griffe zum Choke und zur
Benzinpumpe erübrigen sich.
Kein Schütteln beim Anlassen,
kein Vibrieren bei kaltem Trieb-
werk und ein weicher Lauf bei Be-
triebstemperatur - der M160/1
gibt sich zivilisiert, wie es sich für
einen Automotor gehört.
Sanft kuppelt die Fliehkraft-
kupplung ein und versetzt den
Propeller beim Setzen der Lei-
stung in Rotation. Während wir
zur Piste 17 des Flugplatzes
Speyer rollen, meldet das smart-
M1P alle Temperaturen im grü-
nen Bereich. Am Rollhalt die
nächste Überraschung: Die Kon-
trolle der beiden Zündkreisläufe
ist nicht vorgesehen.
Beim Start profitiert der Motor
von 110 NM Drehmoment, die
zwischen 2200 und 5300 U/min
nahezu konstant anliegen. Mit et-
wa 4400 U/min und 1,9 bar La-

Komplettpreis „Firewall forward", **

www.aerokurier.rotor.com aerokurier 9/2004 49