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Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit gestörter Böden

(Dr. Katja Heister, Lehrstuhl für Bodenkunde, TUM; Zusammenfassung der Vorlesung von Benjamin Jung, August 2009)

1. Bodenschutzgesetz

- Boden neben Luft und Wasser unmittelbar gesetzlich geschützt

Bodenschutzgesetz:

- Nachhaltig Funktionen des Bodens sichern oder wiederherstellen


 Schädliche Veränderungen abwehren und Altlasten sanieren

Bodenfunktionen:

- Natürliche Funktionen:
a) Lebensraumfunktion
b) Bestandteil des Naturhaushaltes
c) Regelungsfunktion

- Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte

- Nutzungsfunktionen:
a) Rohstofflagerstätte
b) Siedlung und Erholung
c) Land- und Forstwirtschaft
d) Verkehr usw.
 Produktionsfunktionen

Schädliche Bodenveränderungen:

- Gefahren
- erhebliche Nachteile
- erhebliche Belastungen
für den einzelnen oder die Allgemeinheit

Ursachen für Schädigungen:

- Erosion
- Versiegelung und Bebauung
- Versauerung
- Versalzung
- Versteppung
- Anorganische und organische Schadstoffe

Altlasten:

- Altablagerungen
- Altstandorte

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 Schädliche Bodenveränderungen oder sonstige Gefahren

Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen:

- Was?
o Schutzgüter
- Welche Maßnahmen?,
o die Gefahren
o erhebliche Nachteile
o erhebliche Belästigungen
verhindern oder vermindern
- Wie?
o Sichern
o Nutzungseinschränkung
o Evakuieren
o Zwischenlagerung

Sanierung:

- Sicherungsmaßnahmen:
o Umlagerung
o Abdichtungen
o Immobilisierung
o Gaserfassung

 Ausbreitung der Schadstoffe unterbinden, Kontaminationswege unterbrechen

- Dekontaminationsmaßnahmen:
o Hydraulische und pneumatische Verfahren
o Biologische Verfahren
o Extraktions- und Waschverfahren
o Thermische Verfahren

 Schadstoffe abtrennen oder zerstören

Prüfwerte, Maßnahmenwerte, Vorsorgewerte

Wirkungspfade

Übliche Vorgehensweise bei Erkundung von Altlasten:

- Verdachtsfläche
- Nutzungs- und Standortübersicht
- Handlungsbedarf
- Voruntersuchung
- Zwischenbericht
- Detailuntersuchung
- Abschließende Bewertung
- Maßnahmen
- Kontrolle

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2. Altlasten

A) Altablagerungen

Welche Stoffe?

- Mehrphasige anthropogene Stoffgemische


- Stoffliche Neubildungen

Wirkungen:

- Wechselwirkung zwischen Deponiekörper und Umgebung


- Gefährdung hauptsächlich durch Emissionen
- Wesentlicher Emissionspfad: Grundwasser

Hauptbestandteile:

- Hausmüll: viel organische Material


- Bauschutt

Durchlaufen bestimmter Reaktionsphasen: z.B. erst aerob, dann anaerob

Emissionen:

- Sickerwässer
- Anorganische und organische Salze
- Organische N-, S- und P-Verbindungen
- Komplexverbindungen
- Emissionen unterliegen großen Schwankungen je nach Deponiestadium oder
Deponiezusammensetzung

Prozesse:

- Verdünnung
- pH-Änderung
- Flockung
- Filtration
- Adsorption/Desorption
- Ionenaustausch
- Abbaureaktionen

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B) Altstandorte

Welche Stoffe?

- Keine einheitliche Genese von Altstandorten


- Stoffart, Stoffanzahl, Stoffmenge und Stoffverteilung sehr unterschiedlich
- Branche und Verfahren bestimmen Stoffe
- Angepasste Untersuchungsprogramme notwendig, z.B. spezifische „Targets“ mit
Targetlisten
- Häufig Umnutzungen der Standorte im Gegensatz zu Altablagerungen
- Zusätzlich direkte Emissionen

Emissionen:

- Je nach Branche unterschiedlich


- Exakte Untersuchung von Altstandorten erforderlich, z.B. Erfassung des Betriebsgeländes
und der Verfahrenswege
- Ermittlung von Targets

Bewertungsverfahren:

- Produktionsverfahrensanalyse
o Verfahrensbeschreibung für Anlagen und Anlagenkomponenten
o Benennung der Prozessmaterialien
o Auflistung und Kennzeichnung von Kontaminationsquellen
 Feststellen der Stoffströme

o Für folgende Industriezweige und Fertigungsbereiche:


 Gaswerke, Kokereien und Teerverarbeitung
 Gießereien
 Lacke
 Textil
 usw.

o Verlustquellenanalyse:
 Abschätzung der Größenordnung der in die Umwelt gelangenden Stoffe

o Bodenkontaminationspotential:
definiert durch
 Gefährdungsgrad der Stoffe
 Stoffaustrittsmengen

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3. Bewertung von Kontaminanten

Sickerwässer von Altlasten als Hauptemissionspfad:

- Häufigkeit und Konzentration eines Stoffes bestimmt durch

o Stoffspezifisches Emissionsverhalten
 hydrophil / hydrophob
 persistent / abbaubar
o standortbedingtes Emissionsverhalten
 anaerob / aerob Grundwasserleiter

Charakterisierung der Emissionssituation von Altlasten:

- Emissionssituation ergibt sich aus Art der Standortgenese und dem Stoffbestand
- je nach Branche unterschiedlich

- Bewertungszahlen (BZ=1, keine Relevanz; BZ=100, höchste Relevanz)

Hauptkontaminanten:

- Emissionsnachweishäufigkeit, BZNWH
- Emissionskonzentration, BZEK (logarithmisch, da breites Wertespektrum)
- Stoffe die sowohl häufig, als auch in hoher Konzentration auftreten stellen die
Hauptkontaminanten dar (z.B. Bor oder Benzol)
 Multiplikation der BZNWH und der BZEK (max. 10.000)

- Bor als Hauptkontaminante besitzt hohe Mobilität und lässt sich leicht nachweisen:
 Daher guter Screening-Parameter zur Erkennung von Sickerwässern aus Altlasten

Zusätzlich muss jedoch auch die Toxizität berücksichtigt werden:

Prioritätskontaminanten:

- zusätzlich Toxizitätspotential, BZTOX


- Stoffe die zusätzlich eine hohe Toxizität aufweisen stellen die Prioritätskontaminanten
dar (z.B. Arsen oder Benzol)
 Multiplikation der BZNWH, der BZEK und der BZTOX (max. 106)

- Unterteilung:
o BZ > 105: Prioritätskontaminanten erster Priorität

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o 105 > BZ > 104: Prioritätskontaminanten zweiter Priorität
o BZ < 104: nicht mehr prioritär
- Prioritätskontaminanten am besten geeignet, um Gefährdungspotential von
Altablagerungsemissionen für das Grundwasser zu bestimmen

Parameterlisten zur Bewertung müssen folgendes berücksichtigen:

o Werte müssen für bestimmte Nutzungen bzw. Expositionen gelten


o Unterscheidung zwischen Emissionspfad und Expositionspfad
o Unterscheidung zwischen Kontaminanten, die am Kontaminationsort verbleiben
und Kontaminanten, die sich vom Kontaminationsort entfernen
 Es gibt keine allgemein gültigen Parameterlisten

- Niederländische Liste als Beispiel:

o Referenz- und Interventionswerte


o Schadstoffgruppen:
 Metalle
 Anorganische Verbindungen
 (Flüchtige) Aromatische Verbindungen
 Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe
 Chlorierte Kohlenwasserstoffe
 Insektizide
 Andere Kontaminanten
o Kontamination ernsthaft, wenn > 25 m3 Boden oder > 100 m3 Grundwasser
oberhalb des Kontaminationswerts kontaminiert sind

Stofftransport:

- wichtig neben Listenwerten, um real bewerten zu können


- während Stofftransport können Kontaminationen verändert werden:
o Verdünnung
o Sorption
o Abbau usw.
- Weitere Abhängigkeit der Konzentration am Nutzungsort von
o Konzentration an der Schadensquelle
o Migrationsvermögen im Grundwasser
o lokale Untergrundverhältnisse
- hat ein Schadstoff den Nutzungsort noch nicht erreicht, benötigt man
o stoffspezifische Parameter
o standortspezifische Parameter
- Abschätzung des Stofftransportes mithilfe von:
o Transferpotential
o Persistenzpotential
o Unterscheidung anorganische / organische Stoffe

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Transferpotential anorganischer Stoffe:

BZTP = BZNWH x BZKF (KF = Kontaminationsfaktor)

Transferpotential organischer Stoffe:

BZTP = Mittelwert aus Mobilitätspotential und Akkumulierbarkeitspotential

Persistenzpotential anorganischer Stoffe:

- einfache und zusammengesetzte Ionen mit pfadspezifischer Persistenz: BZPP = 100


- zusammengesetzte Ionen ohne pfadspezifische Persistenz: BZPP < 100

Persistenzpotential organischer Stoffe:

BZPP = Mittelwert aus den Bewertungszahlen für den CSB und den BSB

Grundwassergängigkeitspotential:

Produkt aus BZTP und BZPP (hoch bei z.B. Arsen und chlorsubstituierten Ethanen)

 mit Kenntnis der


o Konzentration der Kontaminanten am Entstehungsort
o Grundwassergängigkeitspotentiale der Kontaminanten

kann eine Abschätzung des Transfers im Grundwasser zu einem Nutzungsort erfolgen

Geringes TP und PP: auch in langen Zeiträumen nur lokal vertreten

Geringes TP und hohes PP: langfristig signifikante Ausbreitung

Hohes TP und PP: weitreichende Ausbreitung in kurzer Zeit

Allgemeine Prinzipien zur Bewertung von Kontaminationen:

1. Die Bewertung der Kontamination des Standorts muss individuell erfolgen


2. Humantoxikologische oder ökotoxikologische Daten zur Quantifizierung der
Nutzungsgefährdung / Exposition
 Prioritätensetzung
3. Schadstoffkonzentrationen müssen am Nutzungs-bzw. Expositionsort bewertet werden
4. Schadstofftransfer muss stoffpfad- und standortspezifisch berücksichtigt werden

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 Differenzierung zwischen direkter und indirekter Exposition

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4. Gefährdungspotential

Ableitung aus
- Schadstoffarten und Schadstoffmengen
- Ausbreitungsmöglichkeiten
- Einschätzung der Auswirkungen auf Mensch und Umwelt
 Toxizität

Toxizität:

- Konzentration des Stoffs


- Empfindlichkeit des Organismus
- Art der Applikation
- Umgebungsbedingungen
- es gibt viele verschiedene Angriffsebenen

Angriffsebenen:

- Zellen und Organe


- Struktur des Gewebes oder des äußeren Erscheinungsbildes
- Verhaltensänderung
- Veränderung der Zusammensetzung einer Population
 Dabei großer Unterschied zwischen Einzellern und Mehrzellern
 unterschiedliche Schafstoffwirkung sowie Schadstoffaufnahme
 Einzellern wesentlich anpassungsfähiger, da einfacher aufgebaut

Pflanzen und Schadstoffe:

- Aufnahme der Schadstoffe hauptsächlich über Wurzeln

- Störung des Stoffwechsels, der Zellstrukturen und des Erbmaterials


- Schädigung der Zellmembranen
- Schädigung der Chloroplasten

- Pflanzen eignen sich durch Ihre Ortsfeste als Zeigerorganismen

Tiere und Schadstoffe:

- Aufnahme der Schadstoffe hauptsächlich über Nahrung und Haut

- Schädigungen an Geweben und Organen


- unmittelbare Schädigung der Aufnahmeorgane
- Schädigung des Immunsystems und des Kreislaufsystems
- Schädigung des Erbguts
- usw.

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- im Unterschied zu Pflanzen sind die Zellwände wesentlich dünner

Ökotoxikologische Bewertung von Böden:

- Erfolg einer Sanierung muss durch Untersuchungen der Nachhaltigkeit bestätigt werden
- Konventionelle Untersuchungen auf chemische Analysen beschränkt
- Deshalb zusätzlich ökotoxikologische Bewertung zur besseren Beurteilung

- Vorteil: Integration der Effekte aller wirksamer Schadstoffe

- Voraussetzung: Umfassende Charakterisierung des Materials anhand chemisch-


physikalischer Parameter

- Notwendig für repräsentative Aussagen:


o Testorganismen genau auswählen
o Verschiedene Ökotoxizitätsgruppen einbeziehen (akute oder chronische
Toxizität, Genotoxizität)

Aquatische Tests:

- Tests zur Rückhaltefunktion


- Wässrige Bodeneluate
- Ökotoxikologische Tests sollten mit aquatischen Tests beginnen
- Falls Werte hier bereits erhöht, können terrestrische Tests entfallen

Terrestrische Tests:

- Tests zur Lebensraumfunktion


- Bodenmaterial
- Umfang des Testprogrammes richtet sich nach Folgenutzung
- z.B. Nutzungsbeschränkungen als Folge
- u.U. z.B. humantoxikologische Untersuchungen notwendig

Beispiele für ökotoxikologische Tests:

- Aquatische Tests:
o Hemmung der Lumineszenz von Vibrio fischeri
o Hemmung der Biomasseproduktion im Algentest mit Scenedesmus subspicatus
o Hemmung der Bewegungsfähigkeit von Daphnia magna
- Terrestrische Tests:
o Hemmung des Pflanzenwachstums ausgewählter Pflanzen
o Hemmung der substratinduzierten mikrobiellen Atmung
o Hemmung der Nitrifikation
o Mortalität des Regenwurms: Eisenia fetida

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-
5. Untersuchung von Altlasten

Ziel der Untersuchung:

- Abschätzung der Risiken und Gefahren sowie Definition der Sanierungs- und
Sicherungsmaßnahmen
- Untersuchungsstrategie muss gesamtheitliche Betrachtung beinhalten

Erkundungsphase:

- Grundlage, Mehraufwand lohnend


- Zunächst übermäßige Kosten für Erkundung, die Gesamtkosten jedoch können erheblich
reduziert werden
- Altstandorte: eine gezielte Untersuchung auf bestimmte Stoffe möglich (Targets)
- Altablagerungen: flächenhafte Übersichtsuntersuchung notwendig (Screening)

Verschiedene Erkundungsmethoden:

- Historisch:
o Recherchen zu früheren Nutzungen kann Aufschluss über Belastungen geben

- Geologisch:
o Verbreitung und Wechselbeziehung der Grundwasserleiter, -hemmer bzw. –
geringleiter
o Geochemische und mineralogische Charakterisierung des Untergrunds
 Mineralzusammensetzung
 pH-Wert usw.
o Batchversuch & Diffusionsversuch

- Hydrologisch:
o Petrophysikalische Eigenschaften des Grundwasserleiters, -hemmers bzw. –
geringleiters
 Porosität
 Klüftigkeit usw.
o hydrogeochemische Verhältnisse

- Geophysikalisch:
o Geomagnetik
o Geoelektrik
o Bodenradar usw.

- Biologisch:
o Biomonitoring (aktiv & passiv)
o Biosensoren
- Chemisch-physikalisch:
o Feststellung, Identifikation und Quantifizierung von Kontaminationen

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Probenahmestrategie:

- Planvolle Vorgehensweise um sicherzustellen, das Probenentnahme repräsentativ


- Qualität der gesamten Untersuchung hängt von Probenentnahme ab
- Anforderungen:
o Schnell und kostengünstig
o Repräsentativ
o Aussagen über Ausdehnung der Schadstoffe ermöglichen
o Abschätzung des kontaminierten Bodens ermöglichen
o Mögliche Grundwassergefährdung erkennen
 Schwierigkeit: Schadstoffe können kleinräumig verteilt sein

Probenverteilung:

- urteilsbegründete Probenverteilung, mit Vorinformationen


- statistische Probenverteilung, ohne Vorinformationen
o zufällige Probenahme
o systematische Probenahme
- Probentiefe
o In mehreren Tiefen
 um Belastungsschwerpunkte abzugrenzen
 um Schadstoffverfrachtung festzustellen
o Tiefe abhängig von Nutz- und Schutzgut
- Probenmenge
o muss zur Untersuchung der gewünschten Stoffe genügen
o wenn Schadstoff partikulär vorliegt wird mehr Probe benötigt

- Auswahl des Analyseverfahrens: Bedeutung in Bezug auf Aussagewert, Kosten sollen so


gering wie möglich sein
- Auswahl der Proben: gezielt durch Vorinformationen oder nach starrem Raster
- Auswahl der Parameter: relevante Stoffe und Stoffgruppen

- Stufenkonzept: abgestufte Untersuchungsprogramme


o Übersichtsbestimmungen mit Summen- und Gruppenparametern (TOC, AOX…)
o Später Anwendung von nutzungsspezifischen Parameterlisten
o Leitparameter: Erfassung einzelner Stoffklassen oder Einzelstoffe
o Wirkparameter: Erfassung der summarischen Wirkung auf Testorganismen

- Grundwasserproben: mit Grundwassermeßstellen im Messnetz


- Bodenluftproben
- Eluatuntersuchungen

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6. Sanierungsziele

Ziel der Altlastensanierung:

- Oberstes Ziel: Abwehr von Gefahren für Gesundheit von Menschen


- Weiteres Ziel: Abwehr von Gefahren für Umwelt, insbesondere Grundwasser
 Insgesamt Verbesserung der Umweltsituation, positive Umweltbilanz

Schutzziele: Ausmaß der Risikominderung, das erreicht werden muss, um Gefahren


abzuwenden; Konkretisieren gesetzliche Schutzvorschriften

Sanierungsziele: Bezeichnen von den Schutzzielen abgeleitete Maßnahmen

Sanierungszielwerte: Werte, die im Einzelfall als Anforderungen gestellt werden

Sanierungsziele:

- Stufen der Sanierungsziele:


1. Gefahrenabwehr
2. Rückführung auf Originalzustand ohne Kontamination

- richten sich nach vorhandener Situation, relevanten Nutzungen, Schutzgüter,


Belastungspfade sowie zukünftiger Nutzung
 Ziele für jeden Sanierungsfall gesondert festlegen

- Vorgehensweise:
o Kontaminationstyp
 Altablagerung
 Altstandort
o Chemisches Umfeld
 Relevante Schadstoffe
 Konzentration
 Verteilung
 usw.
o betroffene Nutzungen / Schutzgüter
o relevante Belastungspfade
o zukünftige Nutzung
 Umwidmung
 Wie bisher
o Definition der Sanierungsziele
o Prüfung der Verhältnismäßigkeit
o Anordnung

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Sanierungszielwerte:

- Kriterien
o Unterschreitung einer Gefahrenschwelle
o Wirtschaftlichkeit
o Umweltverträglichkeit
 Abwägung

- Sanierungszielwerte haben als Grundlage die gleichen Kriterien (Expositionspfade,


Schutzgüter), die auch bei Gefährdungsabschätzung zugrunde gelegt wurden

- Bei Dekontaminationsmaßnahmen: Restschadstoffkonzentration


- Bei Sicherungsmaßnahmen: tolerierbare Schadstoffkonzentrationen

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7. Sicherungsmaßnahmen

- Wirkungsorientierte Maßnahmen
- Schadstoffe werden nicht vernichtet
- Gefährdung wird abgewehrt
- Sicherungsmaßnahmen können schnell eingesetzt werden
 Vollständige Sanierung evtl. später

Sicherungsverfahren:

- Umlagerung
o Auskofferung und Bodentausch
o einfache Methode, um kompliziert zusammengesetzte Altlasten zu entsorgen
o Verfahrensschritte:
 Lösen, Fördern, Laden
 Transport
 Abladen und Einbau
o Probleme:
 Sondermülldeponien erforderlich
 oft viel Boden
 Schadstoffe könnten entweichen
 nur nach ausreichender Risikoabschätzung

- Barrieresysteme
o möglichst vollständige Abkapselung der Altlast von der Umwelt
o Unterbrechung der Kontaminationswege
o Verschiedene Möglichkeiten:
 Oberflächenabdichtungen
 Niederschlag abhalten, Gase zurückhalten
 Möglichkeiten
> Einfache Überdeckung durch kulturfähigen Boden
> Einschicht- oder Mehrschichtabdeckungen
> Komplette Versiegelung durch z.B. Asphalt
> Probleme: Regen, Risse, Setzungen, Tiere, Wurzeln
 Horizontale Abdichtungen
 hauptsächlich Basissperre für Sickerwässer
 nachträglich eingebaut:
> begehbar, bergmännisch
> nicht begehbar, z.B. Injektion zur Verdichtung
> nachträgliche Verfahren selten verwendet, da zu teuer
und Ergebnisse oft unzufriedenstellend
 vorbeugend eingebaut:
> Vorbeugung von Altlasten oder beim Deponiebau

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> Rein mineralisch, Kunstoffabdichtungen oder
Kombinationsdichtungen

 Vertikale Abdichtungen
 zur Unterbindung des lateralen Wasser- oder Bodenluftflusses
 Abdichtung der Altlast mit Dichtwänden bis zu einem gering
durchlässigen Horizont
 Unterteilung
> ohne Bodenaushub
> mit Bodenaushub

- Verfestigung und Stabilisierung


o auch Immobilisierung oder Fixierung genannt
o Ziele: Handhabbarkeit verbessern, freie Oberfläche verringern, Löslichkeit
verringern
o Verfestigung: dem Abfall beigemischtes Bindemittel erzeugt mechanisch festes
Produkt
o Stabilisierung: auf Schadkomponenten bezogene Verfestigung
o Unterschiedliche Bindemittel je nach Anwendungsbereich:
 Zement: radioaktive Stoffe, Blei
 Wasserglas: Schwermetalle
 usw.
o Vitrifikation: Graphit + Glas/Porzellan-Mischung und Strom: Einschluss der
Schadstoffe im verglasten Boden bzw. Zerstörung der Schadstoffe
o Probleme
 Verfestigungen später evtl. störend
 Chemikalien können negativen Einfluss haben
 Langzeitverhalten nicht exakt bekannt
o Bei Altlasten selten eingesetzt

- Passive hydraulische und pneumatische Verfahren


o Gezielte Fassung des Grundwassers bzw. der Bodenluft um Kontaminationsort
herum
o teuer, da ständige im Betrieb

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8. Dekontaminationsverfahren

Einteilung der Verfahren:

- Bodensanierung
o Belastung wird im Boden behoben
o in situ: an Ort und Stelle

- Substratsanierung
o Boden wird abgetragen und die Schadstoffe werden andernorts entfernt
o Verfahren zerstört Bodenkörper
o ex situ:
 on site: auf dem Gelände
 off site: außerhalb

Verfahren:

- Biologische Verfahren
o Mikrobiologische Verfahren
 Mikroorganismen bauen Schadstoffe ab
 Vollständige Eliminierung der Schadstoffe möglich
 Langfristig als eleganteste Methode angesehen
 Für fast alle organischen Stoffe möglich (weniger für PCB und langkettige
Schmieröle)
 Nicht geeignet für Cyanide und Schwermetalle
 In situ
 Bodensanierung
 Grundwassersanierung
 Probleme: niedrige Temperaturen, lange Zeitdauer,
Inhomogenitäten
 Ex situ
 Anlage mieten
 Bioreaktoren: kompostierender Trommelreaktor, in Erprobung
 Landfarming: Vermischung des Bodens mit weniger belastetem
Boden; in D aufgrund gesetzlicher Lage nicht möglich
o Natürliche Selbstheilung
 Konzept des qualifizierten Nichtstuns
 Manche Schadstoffe bauen sich von selbst ab
 Monitored Natural Attenuation oder Enhanced Natural Attenuation
o Phytoremediation
 Aufnahme der Schadstoffe durch Pflanzen über die Wurzel
 Schafstoffe werden abgebaut oder akkumuliert
 Probleme: auf Wurzeltiefe beschränkt, langwierig, bislang nicht sehr
erfolgreich

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- Wasch- und Extraktionsverfahren
o Bodenwaschverfahren
 Schadstoffabtrennung aus dem Feststoff mit Wasser und mechanischer
Energie
 Reinigungswirkung kann durch Waschhilfsstoffe unterstützt werden
 z.B. Hochdruckbodenwäsche
 zuerst Aufspaltung in verschiedene Fraktionen
 dann Reinigung mit Prozesswasser (geschlossenes System)
o Extraktionsverfahren
 Physikochemisches Verfahren
 Substanzen werden mit bestimmten Lösungsmitteln aus Feststoff bzw.
Flüssigkeitsgemisch herausgelöst
o Nachteile der Bodenwäsche:
 Böden mit Schluff- und Tongehalten > 20% können nicht gereinigt
werden
 Schwermetalle in Schlacken oder elementar vorliegen können nicht
entfernt werden
 Bodengefüge und Organismen werden gestört

- Thermische Verfahren
o Überführung der Schadstoffe vom Feststoff in die Gasphase
o für fast alle Böden geeignet
o Unterteilung:
 Entgasung
 100-900°C
 Beseitigung von flüchtigen Stoffen
 Vergasung
 800-1200°C
 Beseitigung von organischen Stoffen und komplex gebundenen
Cyaniden, Quecksilber und Cadmium
 Zugabe von Vergasungsmitteln
 Ergebnis: außer Schwermetallen alles entfernt, Boden
revitalisierbar
 Verbrennung
 500-1500°C
 Substrat wird vollständig zu CO2, Schwefel-, Stick-, und
Siliziumoxiden sowie Wasser oxidiert
 Höchster erzielbarer Reinheitsgrad
 Ergebnis: steriles Material für Bauwirtschaft

 höchster Reinheitsgrad aller Verfahren

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- Bodenluftverfahren
o Leichtflüchtige Verbindungen werden mit Unterdruck aus dem Porenraum
entfernt
o Schadstoffe werden über Bodenluftbrunnen durch Pumpen einer
Abgasreinigungsanlage zugeführt
o es kann auch zusätzlich Luft in den Boden gepumpt werden

- Aktive hydraulische Verfahren


o Pump-and-Treat Verfahren
 verunreinigtes Grundwasser wird durch Entnahmebrunnen abgepumpt
und durch Reinigungsanlagen geleitet
 Reinigung je nach Schadstoffmix individuell
 Extraktionsfaktor: Verhältnis Grundwassermenge – gereinigtes
Grundwasser
 je höher desto länger dauert Sanierung
 z.B. Mineralöle: 20-250, dagegen Insektizide: >10.000
o Funnel-and-Gate Systeme
 kontaminiertes Wasser durchfließt reaktive Wand bzw. über einen
Trichter(Funnel) ein reaktives Tor (Gate)
 reaktive Wände werden quer zur Fließrichtung in den Grundwasserstrom
gebaut
o Pump-and-Treat: niedrige Investitionskosten, hohe Betriebskosten; Funnel-and-
Gate: hohe Investitionskosten, niedrige Betriebskosten

Wahl des Verfahrens:

- Abhängig von
o Art, Menge und Konzentration von Schadstoffen
o Bodenart und Bodenzusammensetzung
o Kosten und Dauer der Maßnahme
- Kombination von Verfahren möglich

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9. Rekultivierung und Renaturierung

- Rekultivierung: Wiederherstellung einer neuen Kulturlandschaft nach Störung oder


Zerstörung der alten Kulturlandschaft
- Renaturierung: Rückversetzung von Landschaften in einen naturnahen Zustand

Rekultivierung:

- Primäre Ziele
o Minimierung der Beeinträchtigung der Umwelt
o erneute Etablierung eines funktionsfähigen Pflanzen-Boden-Systems
o erneute Etablierung einer ästhetischen Landschaft
- Böden auf Altstandorten
o Bodeneigenschaften werden durch Prozesse verändert
o Flächenutzungsgeschichte sichtbar

- Strukturmerkmale:
o starker Schichtwechsel von natürlichem und technogenen Substrat
o Verdichtungshorizonte
o hohe Skelettanteile
- Merkmale des Stoffbestandes:
o neutrales bis basisches Milieu
o Schadstoffanreicherungsschichten
o Schwermetalle
o Organische Substanzen natürlicher und technischer Herkunft
o Oxalatlösliches Eisen

- Rekultivierung erzeugt „technogene Böden“

- Erfolg der Rekultivierung bestimmt durch


o Klima
o Topographie
o Eigenschaften des Materials
o Bodenmikroorganismen von hoher Bedeutung
o Cmic/Corg als Parameter zur Beschreibung des Zustandes eines rekultivierten
Bodens
- Probleme auf rekultivierten Böden:
o Mangel an organischer Substanz und anorganischen Nährstoffen
o hohe Gehalte an toxischen Elementen
o extreme pH-Werte
o hohe Salinität
o ungünstige Textur
- Materialverbesserung:
o Düngung
o Auftrag von Oberboden

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- Beispiele rekultivierter Landschaften: Bergbaufolgelandschaften
o Aschedeponien
 rasch Vegetationsdecke, sonst Erosion oder Staubentwicklung
 Probleme
 keine organische Substanz
 Stickstoffmangel
 Phosphor nicht pflanzenverfügbar usw.
 Möglichkeiten der Rekultivierung
 Aufbringung von Material
 chemische Behandlung
 Dünger usw.
o Bergehalden
 anthropogene geologische Sedimentkörper
 Materialzusammensetzung und –eigenschaften bestimmen
entscheidend die an den Halden abgelaufenen Prozesse der
Verwitterung und Bodenbildung
 chemische und physikalische Verwitterung: z.B. Pyritverwitterung
 Probleme:
 geringes Nährstoffangebot
 geringes Wasserhaltevermögen
 starker Feinkorngehalt
 starke Versauerung
 Anfälligkeit für Erosion usw.
 Möglichkeiten der Rekultivierung:
 Aufgraben hangparalleler Gräben
 Aufbringen von kalkhaltigen Materialien
 Aussaat von Kräutern
o Tagebaurestlochseen
 Materialentnahme führt zu Löchern, die sich mit Wasser füllen
 Nutzbarkeit hängt ab von:
 Art der Hohlform
 Einfluss des umgebenden Gesteins
 Beschaffenheit des Wassers usw.
 Probleme:
 Eutrophierung
 Versauerung und Versalzung
 Schadstoffeintrag
 Rekultivierung durch:
 Herstellung stabiler Böschungen
 Wasserfüllung des Restlochs
- Folgenutzungen:
o notwendig ist ein Programm, dass sich von Beginn der Abbauarbeiten bis zur
Verwirklichung der zukünftigen Nutzung erstreckt
o Nutzungsbeispiele: forstliche oder landwirtschaftliche Nutzung, Freizeit und
Erholung

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