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EIN KATASTROPHALER STROMAUSFALL UND DIE FOLGEN

Wie ein langwieriger Stromausfall aussehen wird:


Die Bahn besitzt eigene Kraftwerke sowie ein eigenes 110-kV-Stromnetz. Allerdings beziehen Weichen, Signale
und viele andere Anlagen ihren Strom meist aus dem öffentlichen Netz und fallen daher unmittelbar aus. Sobald
die Strecken von liegengebliebenen Zügen befreit wurden, können Versorgungstransporte mit Dieselloks
teilweise durchgeführt werden. U-Bahnen bleiben gleich stehen.

Verkehrsanlagen (Ampelanlagen, Tunnel etc.) und die meisten Tankstellen fallen sofort aus. Es kommt zu
zahlreichen Unfällen und Staus. Deutschland, Österreich und die Schweiz besitzen zwar strategische Ölreserven
für mindestens drei Monate, doch ohne funktionsfähige Tankstellen können diese nicht verteilt werden, und
daher kann nach wenigen Tagen kaum mehr jemand mit dem Auto fahren.

Flughäfen haben eine Notstromversorgung für die wichtigsten Basisdienste. Die Energieversorgung für die
Verwaltung fällt jedoch bald aus. Passagiere stranden, Personal erreicht die Flughäfen nicht mehr. Noch in der
Luft befindliche Maschinen können sicher landen, doch neue Flüge sind kaum mehr möglich. Nach wenigen
Tagen werden, sofern überhaupt möglich, höchstens noch Versorgungstransporte durchgeführt.

Hafenbetriebe brechen praktisch umgehend zusammen. Schiffe können nicht mehr ent- oder beladen werden.
Sie stauen sich, es kommt zu Unfällen und Beschädigungen von Hafenanlagen, womöglich zu
Umweltkatastrophen (auslaufender Treibstoff etc.). Große Häfen wie Hamburg oder Rotterdam gehören zu
wichtigen Güterumschlagplätzen. Die Waren können nicht mehr weitertransportiert werden, Lieferketten
reißen.

Das Finanzsystem ist die gegen einen Stromausfall verhältnismäßig am besten abgesicherte kritische
Infrastruktur. Börsen und Clearingorganisationen führen ihren Betrieb weiter. Allerdings kann kaum mehr
jemand daran teilnehmen. Elektronisch sind für normale Bürgerinnen und Bürger sowie die meisten
Unternehmen keine Zahlungen oder Geschäfte mehr möglich, da Internetzugang, Computer, EC- und
Kreditkarten nicht funktionieren. Lohnzahlungen, Rechnungen begleichen, Kredite aufnehmen, Börsengeschäfte
sind innerhalb kürzester Zeit unmöglich. Erste Aufstände in der Bevölkerung sind möglich.

Viele Banken können ihre Schalter öffnen und noch einige Tage lang ihre Kunden bedienen. In Deutschland
könnte die Bundesbank die Bankfilialen noch mehrere Tage lang mit Bargeld versorgen. Je länger der Ausfall
dauert, desto höher wird die Gefahr, dass die Banken gestürmt werden (Bankrun). In Österreich ist die
Versorgung weniger gesichert. Die Benutzung elektronischer Zahlungsmittel (Bankautomaten, Online-Banking,
EC- und Kreditkarten etc.) wird in allen Ländern sofort unmöglich.

TV- und Radiosender können noch ein paar Tage lang senden. Empfangen kann man die Programme aber nur
über batteriebetriebene Geräte, also vorwiegend über entsprechend ausgerüstete Radios. In Deutschland kann
das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mittels des satellitengestützten Warnsystems
(SatWaS) direkt Nachrichtenbänder ins Fernsehen und Durchsagen ins Radio einspielen. Zeitungen können noch
einige Tage lang gedruckt werden, bekommen aber möglicherweise ein Auslieferungs- und
Verkaufsstellenproblem.

Das Telefon-Festnetz bricht in vielen Gebieten binnen weniger Minuten zusammen, an manchen Orten erst
nach wenigen Stunden oder Tagen. Mobilfunknetze bleiben ein paar Stunden aktiv, solange ihre Basisstationen
und Sendeanlagen Notstrom haben. Theoretisch kann man mit dem Handy so lange telefonieren, wie der Akku
voll ist. Viele Basisstationen und Sendeanlagen der Betreiber besitzen eine Notstromversorgung für einige
Stunden, manche sogar für mehrere Tage. Wegen der Überlastung der Netze bekommen die Verbraucher
trotzdem häufig keine Verbindung in einem solchen Fall!
EIN KATASTROPHALER STROMAUSFALL UND DIE FOLGEN

Die Relaisstationen des BOS-Funks für Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei etc., haben Batteriereserven für
zwei Stunden. Danach herrscht bei den Hilfs- und Rettungsdiensten Funkstille.

Externe Modems und Router sind vom Stromnetz abhängig und fallen sofort aus, deshalb haben die meisten
Konsumenten keinen Internetzugang mehr. Behörden und große Unternehmen dagegen haben teilweise
stabilere Zugänge und Verbindungen.

Krankenhäuser haben im Allgemeinen Notstromreserven für 48 Stunden, manche auch für länger. Allerdings
werden in vielen Häusern bereits unter Notstrombetrieb bestimmte Leistungen zurückgefahren. Für die Zeit
danach muss entweder weiterer Notdiesel herbeigeschafft oder die Patienten entlassen, beziehungsweise
verlegt werden. Doch dafür könnten die Kapazitäten sowohl bei den Rettungsdiensten als auch in den noch
einsatzfähigen Krankenhäusern fehlen.

Zum Verhängnis wird dem Gesundheitssystem nicht zuletzt seine Abhängigkeit von anderen nicht mehr
funktionierenden Infrastrukturen (Kommunikation, Wasser, Lebensmittel, Verkehr/Transport). Spätestens nach
wenigen Stunden können nur mehr die wenigsten Menschen den Notruf wählen, da sowohl Fest- und
Mobilfunknetz als auch Handys ausfallen. Da der BOS-Funk nach zwei Stunden weitgehend außer Betrieb ist,
sind Rettungsdienste nur beschränkt einsatzfähig. Krankenhäuser haben im Allgemeinen Notstromreserven für
48 Stunden. Apotheken bekommen keinen Nachschub. Besonders chronisch Kranke (z.B. Herz, Diabetes)
erhalten ihre lebensnotwendigen Medikamente bald nicht mehr. Dialysezentren fallen mehrheitlich sofort aus,
nur die schwersten Fälle können in Krankenhäusern behandelt werden. Ärzte und Patienten erreichen die
Praxen oft nicht mehr. Medikamentenproduktion, -lagerung und -verteilung kommen spätestens nach wenigen
Tagen zum Erliegen. Lebensmittel- und Wasserversorgung werden schwierig.
Selbst in notstromversorgten Einrichtungen fehlt meist die (öffentliche) Wasserversorgung. Zudem kommt es
bald zu Lebensmittel- und Medikamentenknappheit. Das Personal erreicht seine Arbeitsplätze oft nicht mehr
(oder erscheint aus anderen Gründen nicht zur Arbeit), auch hier kommt es schnell zu Engpässen.
Pflegebedürftige müssen schnellstmöglich in Krankenhäuser und Sammelstellen verlegt werden.
Zur Wasseraufbereitung und -verteilung sind im Allgemeinen stromabhängige Geräte wie Pumpen notwendig.
Wo nicht das natürliche Gefälle genutzt werden kann (z.B. Fernwasserleitung Ostharz-Leipzig, Wiener
Hochquellenleitungen) kommt es rasch zu Wasserknappheit. In Städten können Hydranten kaum versorgt
werden, weshalb die Feuerwehr bald mit einem Löschwassermangel zu kämpfen hat (in ländlichen Gebieten
kann man sich in diesen Fällen naheliegender Gewässer bedienen). In Deutschland liefern bei Bedarf rund 5.200
Notbrunnen lebensnotwendiges Trinkwasser. Bei einem großflächigen, langandauernden Stromausfall kann die
Verteilung allerdings problematisch werden, da nicht ausreichend Tankwagen und Fahrer vorhanden sind und
wegen der ausgefallenen Kommunikationsmittel deren Koordination Schwierigkeiten bereitet.
Zur Wasserentsorgung sind häufig stromabhängige Geräte wie Pumpen, Hebewerke und Kläranlagen
notwendig. Wasser für Toiletten muss erst einmal in den Spülkasten hochgepumpt werden, ehe das Klo gespült
werden kann. Bereits nach wenigen Stunden, spätestens Tagen, funktionieren viele Anlagen und Spülungen
nicht mehr. Da weniger Wasser in die Kanalisation gelangt verdickt sich das Abwasser, die Gefahr von
Verstopfungen steigt. Aufstände in der Bevölkerung sind wahrscheinlich.
Die industrialisierte Landwirtschaft ist fast überall auf Strom angewiesen. In Gewächshäusern und auf Feldern
fallen Bewässerung und Beleuchtung aus, Ernten können nicht mehr eingebracht, Lagerhäuser nicht mehr
gekühlt und trocken gehalten, Rohstoffe nicht mehr zur Weiterverarbeitung transportiert werden. Je länger der
Stromausfall dauert, desto katastrophaler werden die kurz- und langfristigen Schäden.
EIN KATASTROPHALER STROMAUSFALL UND DIE FOLGEN
Tierzucht-Großbetriebe besitzen zwar meistens Notstromsysteme. Diese sind jedoch häufig nur auf wenige
Stunden bis Tage ausgelegt. Danach können Ställe und Brutanlagen nicht mehr betrieben werden.
Automatisierte Fütterung und Trinkwasserversorgung fallen ebenso aus wie Heizung, Belüftung und
Melkanlagen. Noch vorhandene Futtervorräte beginnen zu schimmeln, Wasser bleibt aus. Nach wenigen Tagen
kann es bei Nutztieren zu einem Massensterben kommen.
Die Lebensmittelproduktion bricht in praktisch allen Bereichen schnell zusammen. Supermärkte und
Lebensmittelläden müssen bald schließen, da der Nachschub ausbleibt, ihre Kühlsysteme ebenso ausfallen wie
elektronische Kassen, Lagerhaltung usw. Staatliche Notversorgung über Lebensmittelausgabestellen wird erst
nach ein paar Tagen eingerichtet – und auch dann nur rudimentär, da es an Transportmitteln und an
Kommunikationsmitteln fehlt, um die Hilfe zu organisieren. Es wird spätestens in dieser Situation zu
Plünderungen und teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen um Lebensmittel kommen.

In der Broschüre “Für den Notfall vorgesorgt” empfiehlt das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz
und Katastrophenhilfe im Fall eines Stromausfalls Kerzen, Teelichter, Streichhölzer, Feuerzeug,
Taschenlampe, Reservebatterien, Camping-/Spirituskocher mit Brennmaterial, Heizgelegenheiten, Brennstoffe.
Wichtig – vor allem für einen länger andauernden Stromausfall – sind natürlich auch andere Punkte des
Ratgebers wie Lebensmittel- und Getränkevorräte, Hausapotheke oder stromunabhängige Rundfunkgeräte.
Falls Öl-, Gas-, Fernwärme- oder Stromversorgung ausfallen, sollte jeder Haushalt alternative Möglichkeiten für
diesen Notfall bereithalten. So lassen sich kleinere Mahlzeiten auch mit einem Spiritus- oder
Trockenspirituskocher zubereiten. Auch Grill- und Holzkohle können unter Umständen hilfreich sein. Fehlende
Heizung kann in unseren Regionen über einen gewissen Zeitraum durch warme Kleidung ersetzt werden. Wer
Heizmöglichkeiten hat, die mit Kohle, Briketts oder Holz betrieben werden, sollte diese Brennstoffe bevorraten.
In jedem Fall müssen die Vorräte an Kerzen, Brennstoffen, Ersatzbirnen für Taschenlampen, Batterien und die
Zündmittel wie Streichhölzer oder Feuerzeuge überprüft werden.
Bedenken Sie, dass ein Energieausfall unter ungünstigen Umständen über mehrere Wochen anhalten kann.
Sorgen Sie daher rechtzeitig vor, um in einer Notfallsituation nicht unnötig in Bedrängnis zu geraten. Da davon
auszugehen ist, dass während einer länger andauernden Phase ohne Strom nahezu alle frischen und gefrorenen
Lebensmittel verderben, ist die Lagerung haltbarer Lebensmittel angeraten. Für Fälle aufkommender Gewalt
und Plünderungen sollten Sie ebenfalls gerüstet sein. Sichern Sie auch Ihre vorhanden Vorräte gegen Zugriffe
von Fremden.
Das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, einen Vorrat von 12,7 kg
haltbarer Lebensmittel pro Person, für 2 Wochen, so wie einen Vorrat von 24 Litern Getränke pro Person für 2
Wochen: 12 l Mineralwasser, 12 l stilles Wasser. Dazu sollte man noch 0,2 l Zitronensaft, 250 g Kaffee, 125 g
schwarzen Tee und 3l H-Milch auf Lager haben. Hochprozentiger Alkohol (80%) eignet sich sowohl zum
Tauschen, als auch zu desinfizieren bei kleinen Verletzungen.
Weitere Links:
http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/blackout-stromausfall-der-extraklasse-wenn-in-deutschland-die-lichter-
ausgehen-1f5fe-51ca-17-1036596.html
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2012/0117/001_strom_2.jsp

Denken Sie doch mal darüber nach, wie bequem und doch abhängig unser Leben von Elektrizität ist.
Verstehen Sie daher dieses Szenario nicht als „utopischen Spielfilm“, sondern als realitätsnahe Möglichkeit!
Die Gründe für ein Szenario, wie es hier beschrieben wird, sind vielfältig, doch gleichzeitig immer tagesaktuell.
Keiner kann mit 100%tiger Sicherheit sagen, dass diese Situation niemals eintreten wird. Ob
Naturkatastrophen, menschliches Versagen oder terroristische und kriegerische Gründe vorliegen, ist zunächst
unbedeutend, denn die Situation ist in jedem Fall eine Notsituation, die ggfls. AUSNAHMEZUSTAND bedeutet.